…Zuhause

Kochen, Putzen, Waschen und nicht zuletzt die Versorgung von Kindern, Kranken und Alten gelten immer noch als Frauensache, denn diese haben angeblich ein Händchen für sowas.

Selbst in vermeintlich gleichberechtigten Haushalten, wo der Typ auch mal den Müll runterbringt, wird immer wieder betont, wie toll er doch dieser Aufgabe nachkommt, wogegen das tagtägliche Abwaschen, Aufräumen, Kinder anziehen, Pausenbrote schmieren, die Schwiegermutter anrufen usw. keiner weiteren Erwähnung bedarf. Alle fühlen sich im Vergleich zu vorherigen Generationen gleichberechtigt, Frauen machen im Haushalt trotzdem mehr. In den letzten Jahrzehnten hat sich vor allem das Reden über, nicht jedoch die Verteilung der Hausarbeit geändert.

Obwohl diese unbezahlten Arbeiten zu Hause aber notwendig für das Wohlergehen von Menschen sind, werden sie nicht als Arbeit angesehen und erfahren keinerlei gesellschaftliche Anerkennung. ‚Sowas gehört zum „Mutter“/„Ehefrau“/„Frau“/„Mitbewohner_in“ sein halt dazu’ und ‚sie macht das ja auch gerne’.

Kein Wunder also, dass gerade Menschen, die sich zusätzlich zur eigenen Existenzsicherung auch unbezahlt um andere sorgen müssen, früher oder später völlig überfordert sind, weil sie das alles nicht mehr unter einen Hut kriegen.

Vor allem in finanziell besser gestellten Haushalten wird darum oft eine bezahlte Hausarbeiterin eingestellt, die den ganzen Stress auffangen soll.[1] In der Regel handelt es sich dabei um eine Migrant_in. Die ist nämlich nach Deutschland gekommen, um sich ein besseres Leben zu ermöglichen. Und was kriegt sie: Keine Anerkennung ihrer Bildungsabschlüsse, dafür aber einen weiteren Haushalt, den sie putzen, waschen und bekochen darf. Manchmal erzieht sie auch noch die Kinder der besser Verdienenden. Wer sich dabei aber wiederum um ihren Haushalt und ihre Kinder kümmert, fragt natürlich keiner.

Der individuelle Gewinn an Unabhängigkeit von ihrem Ehemann ändert leider nichts daran, dass die Haus- und Sorgearbeit weiterhin abgewertet und damit schlecht bezahlt wird und kaum Anerkennung bekommt. Die Abwertung von bestimmten Tätigkeiten geht einher mit der Abwertung von Menschen, die diese Arbeit machen, sogenannten „Ausländern“, also  Personen, die nicht weiß sind oder nicht als Deutsche angesehen werden.

…40 Std.-Woche, 3 Kinder, ein Pflegefall? Mach doch Yoga!

Die Organisation von Haus- und Sorgearbeit um Alte, Kranke und Kinder erscheint meist als ein ganz individuelles Problem, das eben auch ganz individuell innerhalb der Familie gelöst werden soll. Daher ist es auch kein Wunder, dass die gegenwärtigen Lösungsansätze kaum über eine private, persönliche Ebene hinausgehen. Beispielsweise raten Frauenzeitschriften zu Entspannungsübungen und Yoga, ‚dann sieht man ihr den Stress auch nicht so an’. Vielen Dank!

Wie in einer Gesellschaft Haus- und Sorgearbeit organisiert wird und wer unter welchen Bedingungen diese Arbeit leistet ist jedoch keinesfalls eine Privatangelegenheit und darf auch nicht als Frauen-Problem abgewertet werden!

Was würde passieren, wenn alle Frauen diese Arbeit plötzlich niederlegten – wenn sie sich allesamt weigern umsonst zu kochen, zu putzen, die Kinder zu versorgen und die Alten zu betreuen? Ein solcher Streik zeigt, wie wichtig diese Arbeit für das Wohlergehen von Menschen ist. Damit drängt sich die nächste Frage auf: Warum scheint es heute mehr Wert zu sein, den ganzen Tag im Büro, in der Fabrik oder am Computer zu verbringen, statt zu Hause zu kochen, zu trösten, zu helfen, zu lieben – kurz: grundlegende menschliche Bedürfnisse zu befriedigen? Mehr Wert bedeutet hier nicht nur mehr Anerkennung von anderen, sondern auch (bessere) Entlohnung.

Irgendwas läuft hier gehörig schief. Und dieses Etwas hat mit der gesellschaftlichen Verteilung und Bewertung von Arbeit zu tun und nicht zuletzt mit der Frage…

…wie wir leben wollen.

Wir können also nicht bei der Forderung stehenbleiben, dass Männer auch mal mit anpacken.

Schon gar nicht, wenn es darauf hinausläuft, dass er sich einmal die Woche dazu herablässt, den Abwasch zu machen und dafür noch ein Fleiß-Bienchen erwartet. Selbst wenn Sorge- und Hausarbeit gerecht verteilt würde, wäre das noch lange nicht genug. Vielmehr geht es darum, dass die Befriedigung von menschlichen Bedürfnissen wichtiger sein muss, als das Erzeugen von Profit. Es geht um soziale Verantwortung, um eine andere – eine gemeinsam ausgehandelte – Verteilung von Zeit und um eine Neubewertung von Arbeit. Alle Menschen sollten das Recht und die Möglichkeit haben Haus- und Sorgearbeit freiwillig und unter guten Bedingungen verrichten zu können! In der Gesellschaft sollte sich nicht alles um die Organisation von Erwerbsarbeit drehen, sondern um die Befriedigung von Bedürfnissen.



[1] Selbst wenn eine Person für den Haushalt eingestellt wird, bleibt meist die Organisation dieser bezahlten Hausarbeit, die Anstellung der Hausangestellten und die Aufgaben der emotionalen Unterstützung an den Frauen der Familie hängen.