…im Job

Das Konzept des Familienernährers und der Hausfrau ist heutzutage umstritten und wird wenig praktiziert. Obwohl sich die Erwerbsbiographien also angeglichen haben, ist noch lange nicht alles cool.

Von Vollzeit-Ingenieuren und Teilzeit-Erzieherinnen
Es lässt sich beobachten, dass der Arbeitsmarkt in zweifacher Hinsicht nach Geschlecht aufgeteilt ist. Auf der einen Seite lässt sich in sogenannte „Frauen-“ und „Männerberufe“ unterscheiden, auf der anderen Seite sind innerhalb gleicher Berufsgruppen Männer eher in leitenden Positionen vertreten. (Das liegt allerdings nicht daran, dass Männer von Natur aus logischer denken, technisch begabter sind und Führungsqualitäten besitzen. Und auch nicht daran, dass Frauen ‚natürlich‘ besser zuhören und auf die Bedürfnisse der Kund_innen eingehen können.)
Die Aufteilung des Arbeitsmarkts ist abhängig von historischen Veränderungen und Anforderungen der Wirtschaft. Traditionell werden Berufe, die als weniger wichtig und weniger von Qualifizierung abhängig gelten geringer entlohnt und als „Frauenberufe“ angesehen. Diese Zuschreibungen können sich jedoch verändern: Zum Beispiel galt der Beruf des Sekretärs früher, als dieser noch eine größere Anerkennung genoss, als Männerberuf. Heute hingegen ist die Sekretärin ein typischer „Frauenberuf“.
Begründet wird die Teilung des Arbeitsmarktes mit Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit, also was Frauen und Männer jeweils besser können und machen. Diese Vorstellungen sind eingegangen in das Denken und Handeln von „Männern“ und „Frauen“, und obwohl sie sich in den letzten Jahrzehnten veränderten wird die Einteilung in von Frauen- und Männerberufen immer noch ganz selbstverständlich vorgenommen, .

Männer die sich diesen Zuweisungen widersetzen und in „Frauenberufen“ arbeiten (beispielsweise Erzieher), müssen ihre Männlichkeit besonders hervorheben, um nicht als ‚unmännlich‘ zu gelten und landen überdurchschnittlich oft und schnell auf der Karriereleiter eine Stufe weiter oben. Frauen, die sich diesen Zuweisungen widersetzen und in „Männerberufen“ arbeiten, müssen sich umso stärker beweisen (hart, selbstbewusst, schlau und diszipliniert) und ihre Leistung erfährt seltener Anerkennung. Ihre Aufstiegschancen sind mehrheitlich schlechter und häufig scheitern sie an der sogenannten „gläsernen Decke“ – die Führungspositionen sind fast ausnahmslos von Männern besetzt. Das dies so bleiben soll, wird auch am großen Widerstand der Unternehmen deutlich, wenn es um Frauenquoten in den Führungsetagen geht.

Von Autos und Ohren
Wie das Ehepaar Pierce in seinem der Menschheit unwürdigen Buch bereits zu wissen glaubte: Frauen können zwar nicht einparken, dafür aber gut zuhören. Und als hätten alle Erwerbstätigen in diesem Buch gelesen, wird ein solches Verhalten von den Kolleginnen erwartet. Wer organisiert die Geschenke für die Arbeitskollegen, gießt die Blumen, lockert die schlechte Stimmungen im Team auf und hat für alle Sorgen ein offenes Ohr: Die Arbeitskollegin. Leider gibt’s für diese Extra-Arbeit keine Bezahlung.
Dafür aber andere Vorzüge: Dumme Sprüche über die Kleidung und Figur. Wenn’s richtig schlecht läuft, dann glauben Kollegen und Chefs ein Anrecht zu haben, anzüglich und sexuell übergriffig zu werden. Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz haben 28% der Frauen bereits erlebt.

Von Euros und Cents
Angesichts dieser geschlechtstypischen Arbeitsverhältnisse wundert‘s dann auch keinen, dass diese sich in der Bezahlung von Männern und Frauen niederschlagen: Frauen verdienen durchschnittlich 23% weniger als Männer, selbst wenn sie in gleichen Positionen arbeiten. Entgegen der vorgeschobenen Begründungen, hat diese Ungleichbezahlung nichts mit Unterschieden in der Qualifikation oder bei den Arbeitsschwerpunkten zu tun.

Die Situation, dass Frauen für mehr Arbeit weniger Geld bekommen wird dadurch verschärft, dass sie Zuhause in ihren heterosexuellen Partnerschaften hauptverantwortlich für den Haushalt, die Pflege und Erziehung von Familienangehörigen sind. Um dies alles bewältigen zu können, entscheiden sich viele Frauen lieber für eine Teilzeitbeschäftigung.
Dass sich diese Option kaum für Männer infrage kommt, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Männer mehr verdienen und es sich deshalb für die Familie finanziell stärker lohnt.

Und dann unterm Strich…
Die unterschiedliche Bezahlung macht Frauen stärker abhängig von ihren Lebenspartnern (die ja dann mehr Geld verdienen). Denn es wird immer schwieriger (zumal in „fortgeschrittenem“ Alter) nach einer Berufspause oder einer Teilzeitbeschäftigung eine Vollzeitstelle zu finden. Besonders dramatisch wirken sich all diese Faktoren im Rentenalter aus. Die niedrigere Bezahlung über ein ganzes Erwerbsleben hinweg sowie Pausen oder Teilzeitarbeit addieren sich zu gravierenden Unterschieden in der Rente. So sind 60% der von Altersarmut Betroffenen weiblich und Frauen haben im Alter durchschnittlich 60% weniger Geld zur Verfügung als Männer.