Arbeitsteilung…

oder: Warum Frauen die Geburtstage des Bekanntenkreises im Kopf haben und Männer leichter den Abwasch übersehen können

Häufig ist zu hören, dass schon in der Steinzeit die Männer gejagt und die Frauen in den Höhlen für das Kochen zuständig waren. Allerdings ist die Hausfrau ein relativ neues Konzept: Demnach ist die Hausfrau von ihrem Ehemann finanziell abhängig, kümmert sich um Haushalt und Kinder und sorgt außerdem dafür, dass die Wohnung schön, sauber und gemütlich ist. Die Zuordnung in zwei gegensätzliche und sich dabei ergänzende Charaktere von Männern und Frauen fand gleichzeitig mit der Durchsetzung kapitalistischer Produktionsweise statt. So wurde im 18. Jahrhundert im Bürgertum die uns heute bekannte Trennung zwischen einer öffentlichen und einer privaten Sphäre durchgesetzt. Mit der Einteilung in die Sphären wurde eine Zuweisung geschlechtsspezifischer Arbeiten verbunden. Draußen, im öffentlichen Bereich herrschte die Vernunft und was dort geleistet wurde, galt als Arbeit. Drinnen, im Haus, sollte der Mann sich hingegen von den Anstrengungen, immer vernünftig sein zu müssen und im Wettbewerb mit anderen zu bestehen, erholen können. Dort sorgte die gute Hausfrau dafür, dass Musik, Kunst und soziale Kontakte zu finden waren.

Mit der Zuweisung zum privaten Bereich ging einher, dass Frauen sich größtenteils aus der Politik heraushielten und keine Entscheidungen treffen durften, selbst wenn sie ihr eigenes Leben betrafen. Frauen waren bestrebt diese Rollenvorgaben gut auszufüllen, gleichzeitig wurden sie unter anderem durch finanzielle Abhängigkeit dazu gezwungen. Männer sicherte diese Rollenzuweisung ihre Machtposition innerhalb der Familie, so dass sie ein Interesse daran hatten, Frauen in diese Rolle zu drängen.

Das Leitbild der guten bürgerlichen Hausfrau, die wohltätig ist und sich für Literatur interessiert, wurde auch den Arbeiterfamilien nahe gebracht. Es wurden Bücher geschrieben, wie Kinder richtig zu erziehen seien, wie gute Ernährung auszusehen und auch, wie sich eine richtige Frau zu verhalten habe. Dies umfasste auch die Aufforderungen an Frauen sich zum Beispiel sexuell anständig zu verhalten und eine gute Ehe- und Hausfrau zu sein.

Arbeiter und Arbeiterinnen wurden aufgefordert, sich selbst disziplinieren, um in besagte Rollen zu passen. Da die meisten Frauen der Unterschicht aus finanzieller Notwendigkeit heraus selbst arbeiten mussten, führte das zu einer Doppelbelastung, die bis heute besteht: Arbeiterinnen mussten außerhalb des Hauses arbeiten und den Haushalt schmeißen.

Nichts desto trotz spielt in allen Familien das Leitbild der häuslichen Frau und des vernünftigen Mannes eine Rolle. Diese geschlechtliche Arbeitsteilung ist nicht natürlich, sondern eng verknüpft mit einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung und deren Erfordernissen. Weil der kapitalistische Arbeitsprozess einzig die Profitmaximierung zum Ziel hat, muss eine Sorge um sich selbst, gegenüber anderen Arbeiter_innen, bezüglich der Zustände in Manufakturen und Fabriken unberücksichtigt bleiben. Wenn es nur um die Profimaximierung geht, werden Bedürfnisse nach gutem Essen, sozialen Kontakten und Spaß, aber auch nach sauberen Küchen und Schlafzimmern vernachlässigt. Um diese Bedürfnisse dennoch zu befriedigen, wurde die Fähigkeit der Bedürfnisbefriedigung Frauen zugeschrieben. Frauen würden sie aus Liebe und Empfindsamkeit befriedigen können und dies auch wollen. Als Arbeit galten und gelten diese Tätigkeiten bis heute kaum.

Zuschreibungen an Männer und Frauen gab es jedoch auch schon vor der kapitalistischen Sphärentrennung. Männliche Herrschaft ist schon älter als die Entstehung des Kapitalismus, sie hat zur Folge, dass Zuschreibungen an Frauen stärker einschränken als die an Männer. Die Festschreibung von männlicher Vernunft und weiblicher Emotionalität fand jedoch zeitgleich mit der Durchsetzung kapitalistischer Produktionsweise zunächst im Bürgertum einer kolonialen und rassistischen Gesellschaft statt. Die bürgerliche Ehe sollte damit auch gegen den zuvor herrschenden Adel abgegrenzt werden. Die „Geschlechter“ wurden als Forschungsobjekt entdeckt und es wurde versucht, auch wissenschaftlich zu beweisen, dass zwischen Frauen und Männern große Unterschiede festzustellen seien.

Es ist also Quatsch, dass bereits in der Steinzeit die heutige geschlechtsspezifische Arbeitsteilung vorzufinden war.